Die Geschichte der SJAS

Von der „Schweizerhilfe“ zur „Stiftung für junge Auslandschweizer“. Rückblick auf 100 Jahre eines Hilfswerks im Wandel der Zeit

Während 100 Jahren haben die „Stiftung für junge Auslandschweizer“ und ihre Vorgängerorganisationen etwa 100’000 Schweizer Kindern aus aller Welt die Gelegenheit geboten, in die Schweiz reisen zu können. Zu Beginn gab es für Kinder aus den Kriegsgebieten Aufenthalte zur Erholung in Gastfamilien. Dazu wurden auch Lagerferien angeboten.

Gründung im Ersten Weltkrieg

Auf Initiative von Fräulein Mathilde Paravicini aus Basel und einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden  1917, 2 ½ Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkriegs, 280 notleidende Schweizer Kinder aus Deutschland für einige Ferienwochen aus dem Kriegsgebiet in die Schweiz geholt und bei Familien platziert.

Die Kosten für diese Aktion werden vollumfänglich vom Bund übernommen. Schon im folgenden Jahr bildet sich ein privates Komitee mit dem Namen „Schweizerhilfe“, das sich zum Ziel setzt, die begonnene Hilfe fortzuführen und auszubauen.

Die 20er Jahre : Erster Höhepunkt und Rückgang

Schon bald wird die Zusammenarbeit mit der ebenfalls neu gegründeten Stiftung „Pro Juventute“ gesucht und sehr erfolgreich umgesetzt. So kommen 1924 schon über 3'000 Schweizer Kinder aus ganz Europa zu einem längeren oder kürzeren Aufenthalt in die Schweiz. Sie alle stammen aus ärmlichen Verhältnissen, meist aus den Grossstädten. Die Wochen in der Schweiz sollten ihnen die Möglichkeit bieten, sich zu erholen und endlich einmal in einer kindgerechten Umgebung ein paar unbeschwerte Wochen zu verbringen.

Die 30er und 40er Jahre : Ein Segen in echter Not

In der Krise der 30er-Jahre und vor allem im Umfeld des 2. Weltkrieges wird der unschätzbare Wert dieser Institution wieder erkannt. Es leiden viele Auslandschweizer Familien bittere Not; wieder sind es vor allem Kinder, die in erster Linie betroffen sind.

Neben der Motivation, Hilfe an Bedürftige zu leisten, spielt in dieser Zeit  auch zunehmend der „Landigeist“ eine wichtige Rolle: Der Verein „Schweizerhilfe, Ferienaktion für Auslandschweizerkinder“ gründet mit Beschluss vom 10. Dezember 1939 eine Stiftung mit folgendem Zweck (Zitat aus der Stiftungsurkunde): „Der Stiftungszweck ist das Sammeln von Freiplätzen und Geldbeträgen für die Ferienversorgung von Auslandschweizer Kindern. Wenn die Mittel der Stiftung es erlauben, dürfen auch andere allgemeine Hilfswerke zu Gunsten von Auslandschweizerkindern subventioniert werden.“ (Ende des Zitates)

Zahlenmässig, aber auch bezogen auf den Umfang der Aufgabe erreicht die Stiftung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Höhepunkt: Jedes Jahr kann über 4'000 Kindern geholfen werden; über 10'000 Lebensmittelpakete werden an Auslandschweizer Kinder in den Kriegsgebieten verschickt.

Die 50er und 60er Jahre : Vom sozialen zum kulturell und staatspolitisch orientierten Hilfswerk

Dank des wirtschaftlichen Aufschwungs der Schweizer Kolonien im Ausland sinkt das Bedürfnis nach Erholungsaufenthalten im eigentlichen Sinn. Nothilfeleistungen sind nicht mehr nötig. Umso mehr wächst die Bedeutung der zweiten Zielsetzung der Stiftung „Schweizerhilfe“: Die jungen Auslandschweizer sollen die Wurzeln ihrer Familie kennen lernen, Kenntnisse über die Schweizer Geschichte und Geographie bekommen und so eine Beziehung zu ihrem Heimatland aufbauen können.

In diese Zeit fällt auch die Ausweitung der Angebotsvielfalt, von der die Auslandschweizer Kinder profitieren sollen. Anstelle der Ferien in Familien werden mehr und mehr Plätze in Ferienkolonien der „Pro Juventute“, in  Kinderheimen oder in anderen Institutionen angeboten. Zunehmend werden auch besondere Ferienkolonien für Auslandschweizer Kinder organisiert.

Die 70er und 80er Jahre: Vom Familienaufenthalt zur Ferienkolonie

Verschiedene Faktoren bewirken in den 70er- und 80er-Jahren, dass die Zahl der teilnehmenden Auslandschweizer Kinder stetig abnimmt.

Da sich auch die Bedürfnisse der Auslandschweizer Familien mehr und mehr wandeln, verlagert sich der Tätigkeitsschwerpunkt des „Ferienwerks für Auslandschweizer Kinder“ bzw. der „Ferienaktion“, wie die zuständige Abteilung bei der „Pro Juventute“ im Laufe der Jahre genannt wurde. Noch 1978 nehmen von den insgesamt 363 Kindern lediglich 78 an Ferienkolonien teil. Zehn Jahre später ist das Verhältnis umgekehrt: Jetzt stellen die Ferienlager im Sommer die Haupttätigkeit dar, während die Platzierung in Ferienfamilien nur noch nebenher läuft.

Da die Lagervorbereitung organisatorisch ungleich aufwändiger ist, können nicht mehr so viele Plätze angeboten werden wie in früheren Zeiten in den Familien. In diese Zeit fällt auch die neue Namensgebung: Im Oktober 1979 wird beschlossen, den Namen Stiftung „Schweizerhilfe“ durch „Stiftung für junge Auslandschweizer“ zu ersetzen.

Die 90er Jahre: Zwei Umzüge und ein neuer (alter) Partner

Aus verschiedenen Gründen löst sich die „Stiftung für junge Auslandschweizer“ per 1. Oktober 1990 aus der Partnerschaft mit Pro Juventute und bezieht eigene Büroräumlichkeiten in Zürich-Oerlikon. Während sechs Jahren werden von dort aus Sommerferienlager organisiert und zwischen 25 und 50 Kinder in Gastfamilien untergebracht.

„Die Stiftung für junge Auslandschweizer“ agiert damit erstmals „gezwungenermassen“ in einer Doppelfunktion: Sie bleibt Fundraising-Organisation, übernimmt aber gleichzeitig die operative Verantwortung für die Aktivitäten der Stiftung. Diese werden 1992 um ein Skilager über Neujahr erweitert. Nach einigen Jahren muss der Stiftungsrat der „Stiftung für junge Auslandschweizer“ erkennen, dass die Führung der „Ferienaktion“ – verbunden mit den steigenden Ansprüchen, aber auch der zunehmenden Verantwortung - für ihn als Milizorganisation nicht mehr zu bewältigen ist. Man macht sich auf die Suche nach einem neuen Partner und wird 1996 bei der Auslandschweizer-Organisation in Bern rasch fündig.

So laufen die Programme der „Ferienaktion“ auch unter dem neuen Dach weiter. Nach wie vor ist es der Stiftung ein grosses Anliegen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Wurzeln näher zu bringen, die Schweiz erlebbar zu machen und sie mit vielen guten Erinnerungen und neuen Kenntnissen über die Heimat ihrer Familien in ihr jetziges Wohnland zurück reisen zu lassen.

Und nach wie vor unterstützt die Stiftung dabei bedürftige Familien mit Zuschüssen an die Lager- und/oder Reisekosten oder übernimmt diese ganz. Dazu kommt in einer Zeit der zunehmenden Globalisierung unseres Lebens auch das Anliegen, die Kinder mit Gleichaltrigen aus vielen verschiedenen Ländern, Sprachgebieten und Kulturen zusammen zu bringen, Bekanntschaften und Freundschaften über alle Grenzen hinweg zu ermöglichen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. So passt sich die Ausrichtung der „Stiftung für junge Auslandschweizer“ wie in früheren Jahren dem veränderten Umfeld an, ohne ihre ursprüngliche Zweckbestimmung aus den Augen zu verlieren.

Dieser geschichtliche "Überblick“ wurde im Jahre 2002 vom damaligen Geschäftsführer David von Steiger verfasst und 2007 vom damaligen Präsidenten der „Stiftung für junge Auslandschweizer“, Simon Küchler, Steinen, sowie 2013 von der Projektleiterin Fundraising, Simone Riner, Bern überarbeitet und aktualisiert.

Gerne senden wir Ihnen auf Wunsch eine ausführliche Version der Geschichte der Stiftung zu.